Wer sich bei der Uni Siegen auf eine Stellenausschreibung hin bewirbt, wird den folgenden Text lesen:

Beim Lesen dieses Textes kommen bei mir sofort Fragen auf. Mehrere? Ja!!
Wie erklärt man dem Autor, dass es „und diesen gleichgestellten“ lauten muss?
Ganz einfach: Indem man gelangweilte Ironie einschaltet: „Wir wünschen uns Bewerbungen von diesen Gleichgestellten!“ Diese Gleichgestellten? Was sind denn das für Typen? Ich habe noch nie jemanden kennengelernt, der frechweg behauptete, er wäre „ein Gleichgestellter“. Wo wohnen sie? Im Wolkenkratzer, alle in einer Etage? Aber in welchem? Rätsel über Rätsel…
Da dieser Text universitär ist, gehen wir doch mal wissenschaftlich-grammatisch an den Satz:
„Gleichermaßen wünschen wir uns Bewerbungen von Personen mit unterschiedlichstem persönlichen, sozialen und kulturellen Hintergrund, auch von Menschen mit Behinderung und den Menschen mit Behinderung gleichgestellten Menschen.“ Dadurch wird der Satz aber unbequem lang, also kürzt man. Dabei geht schon mal der Überblick über die Wortarten und Wortfunktionen flöten. Das Wort „diesen“ hat hier die Funktion … äh… ich rate mal: Demonstrativpronomen? Relativpronomen? Ersteres! Man ist versucht, eine andere Wortart als Demonstrativpronomen dahinter zu vermuten, und zwar wegen der Wortreihenfolge/Satzstellung. Aber „dies*“ ist und bleibt ein Demonstrativpronomen (hinweisendes Fürwort), auch wenn es sozusagen nachkleckert.
Dann fällt auf, wenn man den Satz in ein WORD-Dokument tippt, der Satzteil „mit unterschiedlichstem persönlichen, sozialen und kulturellen Hintergrund“ unterkringelt wird. Was stimmt denn da noch nicht? Hier greift die Regel über die Kongruenz (Übereinstimmung) zwischen Adjektiv und Substantiv. Alle Adjektive, die sich auf dasselbe Substantiv beziehen, erhalten dieselbe Endung.
Also, liebe Uni, es muss heißen: „Gleichermaßen wünschen wir uns Bewerbungen von Personen mit unterschiedlichstem persönlichem, sozialem und kulturellem Hintergrund, auch von Menschen mit Behinderung und diesen (Menschen) gleichgestellten (Menschen).“ Die Wörter in Klammern dienen hier nur zur Veranschaulichung und können im offiziellen Text weggelassen werden.
Ach, und noch was: Das „Herzlich Willkommen“ auf der Seite, wenn man sich im Jobcenter eingeloggt hat, muss „Herzlich willkommen“ heißen. Das Adjektiv „willkommen“ wird sehr oft groß geschrieben, aber das macht man nicht! Adjektive schreibt man üblicherweise klein, nur wenn man es substantiviert, mutiert es zum groß geschriebenen Wort. „Ein herzliches Willkommen!“
Ich bewerbe mich hiermit als Korrekteuse der Homepage-Texte der Uni Siegen. Kein Scherz!
Nur mal zur Info: Mich hat die Recherche all dieser Informationen auch eine gute Stunde gekostet. Als deutscher Muttersprachler weiß ich auch nicht alles, aber vieles fällt mir auf – und ich weiß, wo ich nachlesen muss.