Unterschied zwischen Personal- und Anredepronomen

Es ist ein Kreuz mit der Groß- und Kleinschreibung im Deutschen! Zwei Auswahlmöglichkeiten gibt es, und sehr viele Schreiber stürzen sich unverständlicherweise sehr oft auf genau die falsche!

Nochmal zum Mitschreiben:

Es gibt zwei Arten von Pronomen, die immer gerne verwechselt werden:
a) die Personalpronomen
b) die Anredepronomen.

a) Die Personalpronomen schreibt man klein. Personalpronomen? Was war das noch gleich? Ach ja:
ich, du, er/sie/es, wir, ihr, sie.

Beispiele:
ich: Wenn ich morgens aufstehe, muss ich mich erst mal recken.
du: Weißt du, wann der Laden geöffnet ist?
er/sie/es: Wenn er (sie) morgens aufsteht, muss er (sie) sich erst mal recken. / Das Kind ist noch müde, es sollte noch ein bisschen schlafen.
wir: Bis wir in Hamburg angekommen sind, dauert es noch ein bisschen.
ihr: Bis ihr in Bremen angekommen seid, ist der Regen abgezogen.
sie: Die Artikel sind gelungen, die Zeitungsredakteure haben sie vortrefflich formuliert.

In der deutschen Sprache gilt gegenüber Fremden oder Personen, mit denen man sich nicht duzt, grundsätzlich das Siezen. Man sagt „Sie“ und schreibt das Anredepronomen (auch Höflichkeitspronomen genannt) dann groß.

  • „Hallo, Herr Schmidt, haben Sie schon gehört, dass der Bus heute nicht fährt?“
  • „Liebe Frau Schulze, Sie werden gebeten, sich um 9 Uhr bei uns einzufinden.“
  • „Herr Schmidt und Frau Schulze, können Sie morgen um 10 Uhr zu uns kommen?“

Ein paar der Personalpronomen nehmen die Funktion als Anredepronomen an: „du/Du“, “sie/Sie” und die deklinierten Formen (Dein, Deine, Deiner, Deinem, Deines, Dich; Ihr, Ihre, Ihrem, Ihrer, Ihres; Euch, Eure, Euer, Euerem, Eueres usw.). Wenn ich jemandem schreibe, den ich höflich sieze, dann muss ich das Anredepronomen groß schreiben, ebenso die deklinierten Formen. Auch beim Duzen schreibt man in Schriftstücken aller Art die Höflichkeitsform groß: “Wenn Du das liest, bist Du längst in München und beziehst Dein kleines Hotelzimmer, um dort mit Deiner Freundin ein paar Tage zu verbringen. Dort werdet Ihr sicherlich eine Menge sehen.”

Vielerorts besteht die irrige Annahme, dass es ausreicht, wenn man nur beim ersten Auftauchen eines Anredepronomens in einem Satz großschreibt, danach könne man es sich sparen. Das ist Quatsch. Damit spart man sich keine Tinte, sondern stiftet Verwirrung. Der Sinn ändert sich. „Lesen Sie diese Anleitung gründlich und sie werden viel Freude an ihrem neuen Fahrzeug haben. Viele neue Funktionen stehen Ihnen zur Verfügung und sie werden oft staunen.” In solchen Sätzen ist von dem Angesprochenen die Rede und von Leuten, die nicht näher genannt werden („sie“, 3. Person Plural). / “Wenn Sie sich mal etwas Schönes gönnen wollen, gehen sie ins Theater.” Da fragt man sich: Wer wird wohl ins Theater gehen, wenn ich mir was Schönes gönnen will? “Wenn ich mir was Schönes gönnen will, gehen meine Nachbarn vor lauter Frust ins Theater” – oder wie jetzt??? Was soll mir ein Satz wie der hier sagen: „Wenn Sie alle diese Punkte berücksichtigt haben, können Sie ihrer Feierlichkeit beruhigt entgegenblicken.“ Dann würde ja ich der Feierlichkeit von „ihr“ (aber wer, wird hier nicht genannt) entgegenblicken. Das funktioniert nicht, wenn immerzu der Leser des Artikels angesprochen wird. Der Satz funktioniert nur, wenn sich im Text „ihrer Feierlichkeit“ auf eine weitere Person bezieht.

In früherer Zeit siezten Kinder ihre Eltern, sogar mit dem höfischen „Ihr“ (und nicht „Sie“)!
„Herr Vater, wann kommt Ihr morgen aus der Werkstatt?“
„Frau Mutter, habt Ihr schon das Frühstück zubereitet?“

Oder ein Herrscher herrschte sein Personal folgendermaßen an:
„Komme Er her zu mir und bringe Er mir mein Zepter!“

Das ist ein schönes Beispiel für inkonsistente Schreibweise von Anredepronomen.