Im Deutschen gibt es vier Fälle. Nein, keine Kriminalfälle, dazu lest woanders. Hier geht es um die sprachlichen Fälle (Kasus). Jeder Schüler wird mit Sicherheit etwas vom 1., 2., 3. und 4. Fall gehört haben. Was steckt dahinter? Es ist eigentlich nicht schwer zu verstehen, aber die Formen, die sich für die Substantive, die Adjektive und die Kombinationen daraus ergeben, sind zu lernen und einzustudieren. So eine Mühe! Tja, mag sein. Das ist aber in anderen Sprachen nicht viel besser. Dort ist das System vielleicht weniger komplex, dafür gibt es andere Strukturen, die wir nicht haben und entsprechend Mühe beim Lernen machen. Finnen, Esten und Co. haben übrigens ca. 14 Fälle; im Estnischen muss man obendrein noch ganz andere Sachen beim Deklinieren beachten – also meckert nicht über das Lernen der paar Formen im Deutschen.
Lern-Tipp: Man kann sich helfen, indem man Fragen stellt. Dazu Folgendes:
Der erste Fall – Nominativ – Grundform. Hier stellt man die Frage „wer?“, und damit nicht nur Personen, sondern auch Dinge/Sachen abgefragt werden können, fügt man noch „was?“ hinzu. Die komplette Frage lautet also: „wer (oder was)?“ Beispiele:
Wer (oder was) steigt in den Bus ein? Der Mann.
Wer (oder was) liegt da auf der Straße? Ein Stück Papier.
Wer (oder was) hat Lust auf einen Kaffee? Ich!
Wer (oder was) brauche ich fürs Mittagessen? Einen Kochtopf, Nudeln und Gemüse.
Der zweite Fall – Genitiv – Hier stellt man die Frage „wessen?“. Man kann ein Besitzverhältnis damit ausdrücken: Wessen Buch ist das? Meins!
Es gehen Gerüchte, dass der Genitiv ausstirbt. Man kann ihn nämlich umgehen und fragen „wem sein?“. Das ist natürlich Umgangs- oder Regionalsprache und gehört nicht in Zeitungen/Bücher.
Es gibt obendrein Verben, die nur mit dem Genitiv zusammenpassen, wie z. B. das (mittlerweile oft falsch verwendete) „sich des Themas annehmen“ oder auch „jemandes gedenken“. Ich nehme mich nicht dem Thema an und ich gedenke auch nicht dem Toten, sondern des Themas und des Toten. Und es gibt Verben, die den Genitiv haben können. Genaueres schlage man im DUDEN nach. Hier ein paar Beispiele:
Weitere Verben, die der Genitiv regiert (so nennt man das), sind
– anklagen (Er wird des Mordes angeklagt.)
– sich annehmen (Wir müssen uns der kleinen Katzen annehmen.)
– bedienen (Er bedient sich des Schreibgeräts, wenn er einen Brief….)
– bedürfen (Sie bedarf einer neuen Matratze, die alte ist durchgelegen.)
– sich befleißigen (Der Schüler hat gelernt, sich einer guten Ausdrucksweise zu befleißigen).
– belehren (Du hast mich eines Besseren belehrt.)
– sich bemächtigen (Er hat sich einer neuen Fähigkeit bemächtigt.)
– berauben (Ich werde nachts des Schlafes beraubt, weil der Autolärm nervt.)
– beschuldigen (Sie wird einer Tat beschuldigt, die sie nie getan hat.)
– sich besinnen (Sie besann sich einer präziseren Sprechweise.)
– bezichtigen (Er wird des Diebstahls bezichtigt.)
– sich enthalten (Viele Wähler haben sich ihrer Stimme enthalten.)
– sich entledigen (Tante Emma hat sich ihrer alten Küchengeräte entledigt.)
– sich entsinnen (Ich entsinne mich dieses Tages und denke gern daran zurück.)
– sich erfreuen (Im Herbst erfreuen sich viele der schönen bunten Laubfarben.)
– sich erinnern (Ich erinnere mich des Urlaubs in Italien.) (-> selten gebraucht, eher „Ich erinnere mich an den Urlaub…“)
– sich erwehren (Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass…)
– gedenken (Wir gedenken heute der Toten und trauern um sie.)
– sich rühmen (Er rühmt sich des Sieges über Napoleon.)
– sich schämen (Wir schämen uns des kollektiven Versagens.)
– überdrüssig (Ich bin des nebligen Wetters so langsam überdrüssig.)
– überführen (Er wurde des Verbrechens überführt und bestraft.)
– verdächtigen (Die Bande wird des Diebstahls verdächtigt.)
– verweisen (Der Spieler wurde des Platzes verwiesen.)
– walten (Walte deines Amtes!)
– würdigen (Sie würdigte den Kerl keines Blickes.) (Achtung! Wen würdigte sie? -> Akkusativ / Wessen würdigte sie ihn? Keines Blickes (Genitiv))
– ziehen (Nun zieh deiner Wege!)
Der dritte Fall – Dativ – Frage: Wem (oder was?)
Hier kann man sich eine Eselsbrücke bauen: Der dritte Fall -> wem -> das m hat drei Beinchen.
Wem gehört das Fahrrad? Mir!
Wem muss ich antworten? Ihnen!
Bei wem übernachten wir morgen? Bei meinen Freunden.
Witz aus dem Ruhrpott: „Wer gehört die Fahrratt anne Bude?“ „Ich!“
Der vierte Fall – Akkusativ – Frage: Wen (oder was?)
Merken: to accuse/accuser: jemanden beschuldigen – der vierte Fall ist also immer „gegen jemanden/in Richtung von“:
Wen muss ich fragen? Die Lehrerin.
An wen muss ich mich wenden? Ans Finanzamt.
Für wen ist dieses Geschenk? Für den Kollegen.
Besondere Schwierigkeiten bereitet das Verb kosten, und zwar im Zusammenhang mit dem Leben, auch gerne in den Nachrichten zu hören. Der Akkusativ regiert das Verb kosten. Man könnte ja eine Art Frage bilden wie in der Mathematik: Wen kostete X Y? Beispiel: Der Sturm kostete 10.000 Menschen das Leben. Wen? Menschen. X = der Sturm / Y = das Leben
Der Sturm kostete 10.000 Menschen das Leben.
Der Sturm kostete 10.000 Menschen ihr Leben.
Durch den Sturm, der 10.000 Menschen das Leben kostete, wurden auch viele Gebäude beschädigt.
Und durchkonjugiert:
Ich kam im Sturm fast ums Leben. Der Sturm kostete mich fast das Leben.
Du kamst im Sturm fast ums Leben. Der Sturm kostete dich fast das Leben.
Uwe kam im Sturm fast ums Leben. Der Sturm kostete ihn fast das Leben.
Ute kam im Sturm fast ums Leben. Der Sturm kostete sie fast das Leben.
Das Mädchen kam im Sturm fast ums Leben. Der Sturm kostete es fast das Leben.
Wir kamen im Sturm fast ums Leben. Der Sturm kostete uns fast das Leben.
Ihr kamt im Sturm fast ums Leben. Der Sturm kostete euch fast das Leben.
Ute und Uwe kamen im Sturm fast ums Leben. Der Sturm kostete sie fast das Leben.
Die Adjektive müssen dem Substantiv in Genus und Numerus und je nach Fall (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ) angepasst werden. Um die jeweiligen Formen zu lernen, kann man das Internet fragen nach „Deklination von Nomen / Adjektiven“ – es gibt etliche Seiten mit Informationsmaterial. Ich habe mir den Spaß gemacht, selber ein paar Tabellen zu entwickeln. Fangen wir mal mit den Adjektiven an. Wer sich unsicher ist, kann sich anhand dieser Tabellen helfen und die Wörter einfach austauschen.






