Ich will mich hier nicht mit Details aufhalten, die kann man im Duden und im Internet und in wer weiß welchen Quellen nachlesen.
Was ich hier notieren möchte, basiert auf einer Frage, die mir gestellt wurde: Schreibt man eigentlich „wegen des Projekts“ oder „wegen des Projektes“?
Die Fragestellung dazu lautet: Substantive im Genitiv – mit kurzer oder langer Endung?
Die kurze Endung -s ist der Normalfall. WICHTIG: Ein Apostroph wurde in alter Zeit tatsächlich mal gesetzt, ist heute aber überflüssig, weil unnötig/nicht sinnverbessernd oder unterschiedmarkierend, daher also falsch, auch wenn es noch so oft zu sehen ist:
Falsch: der beste Döner Köln’s, Anna’s Haarsalon, Brinkhoff’s Nr. 1, Beck’s Bier, Bach’s Reformhaus, Werther’s Echte, Maisel’s Weiße, Obermühlen’s Spargelkrüstchen….
Merken muss man sich also, wann die lange Endung -es steht.
Die Regel lautet, dass man entweder „s“ oder „es“ zum Hervorheben des Genitivs einfach an das Grundwort anhängt, ohne irgendwelche Zeichen (sog. diakritische Zeichen) dazwischenzufügen.
das Datum des Poststempels, der Name des Lehrers, der Text des Liedes, die Tiere des Waldes usw.
Bei Wörtern auf „-nis“ (obsolet: -niss) lautet die Genitiv-Endung „-ses“: die Noten des Zeugnisses, die Brocken des Abrisses, die Auswirkungen des Bedürfnisses usw.
Die kurze Form -s steht bei Hauptwörtern, die auf -chen, -el, -em, -en, -end, -er, -ich, -ig, -lein, -ler, -ner enden wie z. B. des Mädchens, des Gürtels, des Atems, des Lesens, des Abends, des Lehrers, des Rettichs, des Königs, des Vögleins, des Sportlers, des Rentners…
Die kurze Form -s steht weiterhin in festen Wendungen (erstarrter Genitiv) wie: tags darauf, von Rechts wegen, er ist Manns genug, Hungers sterben
und bei Farbbezeichnungen: die Leuchtkraft des prächtigen Purpurrots
und bei Eigennamen wie: Bachs Orgelwerke, die Einwohner Berlins, am Ufer des Rheins (ohne Apostroph, wie oben bereits bemerkt)
Schwankender Gebrauch: Stammwort + -es oder -s
Die kurze Form -s wird bei Fremdwörtern auf Konsonantenendung bevorzugt:
des Dativs, des Festivals, des Flops, des Hits, des Konzepts, des Konzerts, des Materials, des Modells, des Monitors, des Objekts, des Plurals, des Prinzips, des Produkts, des Projekts, des Quadrats
Die volle Form -es steht immer bei Hauptwörtern (meist des Grund-wortschatzes), die im Nominativ (1. Fall) auf
-s, -ss, -ß, -tz, -x, -z und
(mit Ausnahmen) auf -sch und -st enden:
des Glases, des Überflusses, des Fußes, des Sitzes, des Reflexes, des Gewürzes, des Busches, des Zwistes
In den übrigen Fällen kann man zwischen -es und -s wählen.
Die volle Form -es wird besonders bei Voranstellung des Genitivs bei ein-/zweisilbigen und endbetonten deutschen Hauptwörtern bevorzugt (wenn sie nicht auf einen Zischlaut enden). Beispiele:
des Gebietes, des Gemütes, des Ertrages, des Leibes, des Tages Hitze, dieses Mannes Zögern
Bei zusammengesetzten Hauptwörtern mit Fugen-s und bei Hauptwörtern mit Endung auf mehrere Konsonanten:
des Jubiläumsjahres, des Geschäftsfreundes; des Erfolges, des Feldes, des Marktes, des Stadtjugendring(e)s, des Sumpfes
(aber: des Lärms, des Quarks, des Ulks, des Mülls, des Packs)
Die kurze Form -s wird bei Hauptwörtern mit unbetonter Endsilbe bevorzugt, besonders bei zusammengesetzten Hauptwörtern (wenn sie nicht auf einen Zischlaut enden oder ein Fugen-s haben):
des Anspruchs, des Bereichs, des Dornstrauchs; des Mitleids; des Urlaubs; des Urteils, des Zufalls; des Alltags, des Herzogs, des Nachtrags, des Vormittags, des Vortags, des Vortrags; des Angebots; des Niedergangs; des Widerstands
und bei Hauptwörtern auf Vokal/Doppelvokal oder auf Vokal + h :
des Schnees, des Sees, des Knies; des Uhus, des Mais, des Sofas, des Baus; des Flohs, des Schuhs
Sonderfall: Fremdwörter (Substantive) auf -s
des Fokus, des Fundus, des Chaos, des Busses, des Status, des Wanderzirkus…
zwei Formen haben „des Atlas(ses), des Globus(ses)“ usw.
Und zum Schluss noch was zum Schmunzeln („Genitivus Nederlandicus“):
In einer ZDF-Show. André Rieu spielt seine Walzer. Nach einem Walzer kommt der Moderator und sagt zu Herrn Rieu: „Das war schön! Und jetzt kommt noch der Chor der Nonnen.“ Rieu, typisch Niederländer, grinst und sagt: „Was? Der Nonne? Ich dachte, das wäre Fraue?“